Montag, 18. März 2013

Spiel mir das Lied vom Tod

"Spiel mir das Lied vom Tod" ist der deutschsprachige Titel eines bekannten Italowesterns aus dem Jahr 1968. In der Schweiz wurde der Film berühmt wegen der Titelmusik von Ennio Morricone und wegen Filmstars wie Henry Fonda, Charles Bronson, Jason Roberts, Claudia Cardinale ("CC", mmmm!).

Für IFPI scheint dieser Titel nun Programm zu sein.

Der englische Titel lautet "Once Upon A time In The West".  "Once upon a time" - "Es war einmal" - so fangen Märchen an. Märchen wie dasjenige der darbenden, am Hungertuch nagenden Musikindustrie. Erst vor ein paar Tagen habe ich doch darüber geschrieben, weil es mich ärgerte.

Weshalb jetzt schon wieder?

Genau -  ich habe mich schon wieder geärgert - aber dieses Mal auch etwas gefreut. In meinem letzten Artikel habe ich behauptet, dass das Gejammere nach dem ersten Beitrag in Radio SRF1 in Kürze auch in anderen Medien verbreitet würde.

Et voilà! Die az Aargauer Zeitung schreibt darüber - und stellt in der Printausgabe gleich einige neue Geschäftsideen vor. So lerne ich auch Deezer kennen, Spotify benütze ich ja bereits. Am gleichen Tag folgt dann auf Radio SRF1 in der Sendung "Trend" eine weitere Folge des Märchens (ca. ab Minute 13:10). Da beklagen Musiker und Besitzer eines Aufnahmestudios, dass immer weniger CDs verkauft werden und der Direktor von Swissperform fährt ganz schweres Geschütz auf. Er will eine Providerhaftung einführen.

Soweit, so schlecht.

Ich komme ins Grübeln. Soviel Lärm um das Verschwinden von Compact Discs, da steckt doch etwas mehr dahinter. Natürlich sind die Hersteller der CD-Rohlinge nicht glücklich - aber das waren die Heimarbeiter in England auch nicht, als die Webmaschinen erfunden wurden. Oder die Heizer auf den Dampflokomotiven, als Diesel- oder Elektroloks kamen. Warum sollen ausgerechnet Firmen, die Musik verkaufen, sich um Compact Discs kümmern? Auch in anderen Branchen wurde die Technik weiter entwickelt.

Die (und hoffentlich auch die Künstler) kriegen ja sowie eine Vergütung. Man schaue sich nur die Tarife der SUISA an. (Achtung! transparent und deshalb kompliziert!)

Und da kommt noch die soeben veröffentlichte Studie des Joint Research Centres der EU heraus. Was für eine Überraschung! In diesem Bericht (leider nur englisch) lese ich, dass die Einnahmen der Musikindustrie aus der digitalen Musik zwischen 2004 und 2010 mehr als 1000% (Eintausend Prozent!!!) gestiegen sind und dass sie 2011 um 8% auf erwartete 5.2 Milliarden (5'200'000'000) US Dollars stiegen.

Die Studie kommt auch zum Schluss, dass das (in einigen Ländern) verbotene Herunterladen von Musik nicht als gravierendes Problem zu betrachten sei. Im Gegenteil, so die Aussage in der Studie,
die neue Art, Musik zu konsumieren habe einen positiven Effekt auf die Inhaber der Rechte.

Weshalb also wird da so Panik verbreitet? Wieso wollen uns die Musikverlage dazu zwingen, CDs zu kaufen und damit unnötig Rohstoffe zu vernichten?

Könnte da der bisher ausgebliebene Erfolg im Rahmen der ARGUR12 etwas damit zu tun haben? Bei der nächsten Sitzung vom 16. April 2013 lautet das Thema nämlich "Kollektive Verwertung" - schon der Titel ist grauslich.

Aha! Es geht gar nicht um den rückläufigen Verkauf von CDs! Es geht im Grunde um
Zensur im Internet.

Das ist ungeheuerlich.

Wer entscheidet denn, welche Seiten gesperrt werden sollen, zu welchen Servern kein Zugriff mehr möglich sein soll? IFPI? SUISA? Swissperform? Sony? Der Gemeinderat? Die Schulpflege? Das FBI (wie in Neuseeland)? Oder etwa die von der IFPI und Swissperform hochgelobten Senatoren Sheldon Whitehouse, Orrin G. Hatch, Congressmen Adam B.
Schiff und Bob Goodlatte?.

Hier kann auch noch etwas über deren Gedankengut nachgelesen werden (englisch).

Wie wir ja wissen, hört die US-amerikanische Rechtsordnung an der Grenze nicht auf.

Gegen Zensur im Internet muss etwas unternommen werden. Schreibt doch den Verbänden und Organisationen, die in der Arbeitsgruppe ARGUR 12 vertreten sind und stärkt ihnen den Rücken:
SKS
Dachverband der Urheber- und Nachbarrechtsnutzer DUN
Konsumentenforum kf Kontakt
Fédération Romande des Consommateurs FRC
Associazione Consumatrici e Consumatori della Svizzera Italiana ACSI Kontakt
Wir wollen keine Zensur im Internet - und schon gar nicht für Musik, Filme, Bücher und und und ...

KEINE ZENSUR. PUNKT.

Teilt diesen Organisationen mit, dass der gegenwärtige Zustand genügt - für die Konsumenten (früher auch als "Kunden" bezeichnet), für die Internetdienstanbieter und für die Kulturschaffenden.

Für die Hersteller von CDs ist das allerdings hässlich. Die werden gezwungen, sich neue Tätigkeitsgebiete zu suchen. Denn auch Computerprogramme werden ja immer mehr über das Internet bezogen. Während die Musikindustrie weiterhin Milliarden verdient, wird leider wieder einmal eine kleine Minderheit, über die niemand schreibt, arbeitslos. Das finde ich zwar schade - aber die Entwicklung wird trotzdem weiter gehen.

Der Musikindustrie gönne ich deren Einnahmen durchaus. Ich finde nur, die Verteilung sollte besser geregelt werden. Das liegt in den Händen der Kunstschaffenden und deren Erben. Denn nach dem Tode des Künstlers können ja noch 70 Jahre lange Tantiemen kassiert werden. Über diese Frist müsste auch einmal diskutiert werden. Das ist jedoch ein anderes Thema.
Jetzt sollen sie endlich mit diesem Gezeter Schluss machen.

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Freitag, 15. März 2013

Mit Repression gegen das Jammern

Heute habe ich mich nach langer Zeit wieder einmal geärgert Da höre ich doch im Radio SRF1 im Rendez-vous am Mittag einen Beitrag über angebliche Internetpiraterie in der Schweiz. Wieder einmal betete der Geschäftsführer des Verbandes der Musikverlage vor, wie schlecht es den Musikverlagen in der Schweiz doch gehe. Nicht lizenzierte Musik werde auf Internet - Plattformen illegal zur Vergügung gestellt. Damit werde dem CD-Verkauf der Garaus gemacht.

CD-Verkauf? Der meinte wohl, die Verlage könnten nicht mehr so abzocken wie bisher. Ich bitte Sie, wer kauft denn heute noch so resourcenfressende Compact Discs? Weshalb soll ich Zusammenstellungen von Musikstücken kaufen, wenn ich nur ein einziges Lied will?

In der Schweiz ist es nicht verboten, Musik oder Filme aus dem Internet auf den eigenen PC, den Laptop oder das Smartphone herunter zu laden - im Gegensatz zu andren Ländern. Das will der Verband der Musikverlage mit aller Kraft ändern. Er setzt auf Repression. Dabei hat dieser Schweizer Ableger des internationalen Verbandes mächtige Unterstützung.

Seit bestehen der Musik- und Filmverlage besteht deren Geschäftsmodell zur Hauptsache darin, mit Knebelverträgen Künstler an sich zu binden und sie - im Verhältnis mit den Einnahmen - mit Almosen abzuspeisen und mit Kopierverboten (die sagen dem doch tatsächlich KopierRECHT!!!) die Fans der Künstler zu vergraulen.

Der Verband, der Repression schamlos ausübt, wurde dafür auch schon gebüsst.

Nicht vergessen ist auch die Geschichte, wie der Verband die Schweizer Hitparade auf (damals noch) Radio DRS3 manipulierte.

Und jetzt bietet wiederum das mit Zwangsgebühren finanzierte Radio SRF1 dem "Jammeri vom Dienst" die Gelegenheit, zu bester Sendzeit seine Hasstirade gegen Musikliebhaber und Fans von Künstlern zu äussern.

Ich bin mir sicher, dass die Falschinformationen nun auch noch in anderen Medien verbreitet werden.

Genau das ist es, was mich so geärgert hat.

Ah ja, zum Beanstanden dieser SRF1-Sendung darf man zurst dem Obudsmann schreiben, bevor dessen Etnscheid an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen weitergezogen werden kann.