Dienstag, 31. März 2015

To APP or not to APP

Der Markt spielt – aber ich mag nicht spielen. Ich spiele zwar nicht ungern, es hängt einfach vom Spiel ab.
Dank dem App-Markt habe ich mich wieder darauf besonnen, dass Vieles doch flüssiger ist als Wasser. Ich weis, die Werbung lebt davon, mir oft und mit einigem Erfolg unnötige Sachen schmackhaft zu machen.
Was aber auf dem Markt für sogenannte "Apps" geschieht, ist starker Tobak. Warum beanstandet das eigentlich keine Partei in einem Wahljahr?

In allen Medien werden solche Apps vorgestellt. Firmen ohne eigene Apps? Geht nicht. Es gibt solche gegen Prostatakrebs. In der Medizin gibt es immer mehr Apps. Die Entwicklung von Apps scheint die "Pflicht" zu Publikationen abgelöst zu haben.

Leider sind diese Apps nicht für mein Mobiltelefon. Dabei ist das doch auch ein Smartphone. Und wie smart das ist! Man kann damit viele Sachen machen. Sogar telefonieren kann man damit. Und spielen.

Apps gibt es trotzdem nicht so viele. Es gibt viel mehr für Mobiltelefone mit dem angebissenen Apfel oder den Spielroboter bzw. deren Symbole drauf.

Das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen in der Schweiz hat eine App, die zeigt, wie das Wetter war, ist und vielleicht werden wird. Da helfe ich auch noch bei der Finanzierung– via Billag.


Zwei Mediziner im KSA wollen mit einer App den Prostatakrebs bekämpfen, was höchst erfreulich ist.
Die Rega hat eine Notfall-App

upc Cablecom hat die Horizon Go App um auf dem Smartphone fern zu sehen.

MySwitzerland hat natürlich eine App.

Es gibt eine für die COOP Supercard, klar, hat auch die Migros eine. Und Denner. Und und und…

Die RVBW will sogar eine App gratis verteilen, die zeigen soll, wo der Bus gerade steht, auf den man schon fünf Minuten lang "1 MIN" wartet.

Alle diese App haben einen Schönheitsfehler.


Sie funktionieren nicht auf meinem Smartphone!


Weshalb? Keiner hat es so klar gesagt, wie der Direktor der RVBW:

Ich unterstütze also sehr unfreiwillig den Apfel- und menschenähnlichen Markt. Aber für mein Smartphone bleibt nichts mehr übrig! 

Und auch bei der Rega steht "Die Entwicklung für weitere Betriebssysteme wie Windows, Nokia, Blackberry etc. ist im Moment nicht vorgesehen, wird jedoch nicht ausgeschlossen."

Das hat mich zuerst geärgert. Schliesslich bezahle ich auch (noch) Medienabgaben via Billag, SF Meteo kümmert das aber nicht. Genauso wie sich die upc Cablecom um eine Reduktion meiner Abonnementskosten foutiert. Der RVBW ist es auch egal, dass ich meine Steuern in einer der an dieser Firma beteiligten Gemeinden bezahle. Von Migros, COOP Denner & Co. will ich schon gar nicht schreiben – die sind ja auf mich als Kunde nicht angewiesen.
Der Ärger verflog aber nach einiger Zeit.
Ausnahmsweise habe ich nachgedacht. Da kam mir der Spruch in den Sinn, der jeweils nach gewissen Abstimmungen über Initiativen zu hören ist: "Nach der Tat hält der Schweizer Rat".

Die Tat war in diesem Fall der Ärger.

Dann kam die Einsicht, dass alle diese App, die es für Windows Phone nicht gibt, überflüssig sind:

SRF Meteo:Das Wetter findet immer noch im Freien statt, Radarbilder von vergangenen Zeiten brauche ich nicht.
upcCablecom:Fernsehen will ich auf meinem Smartphone sowieso nicht.
KSA:In meinem Alter will ich die "Chance" einer Erkrankung an Prostatakrebs nicht mehr wissen.
RVBW:Ob ihr das glaubt oder nicht – der Bus kommt auch ohne App. Mich interessiert nicht, wo er steht. OK, manchmal fällt er auch aus, ohne dass die Reisenden verständigt werden. Kommt aber selten vor. Aber warum  zeigt dann die Anzeigetafel oft "1 MIN", und das teilweise fast 7 Minuten lang?
Rega:Diese App könnte ich brauchen, aber hoffentlich brauche ich euch nie.

Es wird wohl ein Wunsch von mir bleiben, dass alle Betriebe, die vom Steuerzahler finanziert werden, entweder gar keine App gratis abgeben oder dann für alle Betriebssysteme. John Lennon hat es schon richtig gesungen: "You may say I'm a dreamer" wenn auch in einem anderen Zusammenhang.

Sonntag, 29. März 2015

Vielleicht wissen sie es nur nicht besser?

Man muss es ihnen also sagen oder schreiben. Ich habe geschrieben.
Zugegeben, Durchschnitt bin ich nicht, will ich auch nicht sein. Manchmal habe ich auch andere Vorstellungen als die Mehrheit. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) wollen viele mein Daten.
Neuestes Beispiel: SwissPass. Der Verband öffentlicher Verkehr und die SBB wollen das General- und das Halbtaxabonnement durch den SwissPass ersetzen.
Allgemeine Bedingungen (AGB) sind allerdings noch nicht erhältlich. Das Marketing-Blabla macht mich aber misstrauisch. Vielleicht kann mit einigem Druck noch auf die Gestaltung der AGB und des SwissPass Einfluss genommen werden.
Ich versuche es einmal mit einem Brief an Herrn Meyer, Chef der SBB. Hoffentlich machen das noch andere Gleichgesinnte. Deshalb hier der Inhalt meines Briefes.


Mein Generalabonnement und der SwissPass

Sehr geehrter Herr Meyer,
Ich habe mein vielleicht letztes GA verlängert. Das neue GA ist gültig bis 30. März 2016. Ich werde wohl weder ein GA noch ein HT-Abonnement kaufen. Der Grund dafür ist einfach: ICH entscheide, wem ich meine Daten gebe – nicht Andere. Zudem habe ich bereits einen Schweizer Pass.
Ich werde mich halt wieder auf die Strasse konzentrieren. 
Meine Entscheidung beruht auf den öffentlich erhältlichen Angaben auf der SBB-Webseite, auf swisspass.ch oder dem VöV. Trotz meinen Nachfragen bei der SBB habe ich leider keine Allgemeine Bedingungen (AGB) gefunden. Die vorhandenen Informationen machen mich auf Schlimmes gefasst.
Die eingesetzte Technologie ist nicht unbedingt die Neueste. Sie ist auch nicht wirklich sicher. Reisende und das Zugspersonal werden bei Kontrollen länger beanspruch.
Es werden Daten über mein Verhalten gesammelt (wann reise ich in welcher Klasse wohin). Diese Daten werten Sie zu Marktforschungszwecken anonymisiert aus, was mir gar nicht passt.
Ich habe auch Mühe damit, dass ich gezwungen werden soll, den SwissPass zu benützen und damit das GA automatisch verlängert wird. Das will ich nicht.
Irgendwo auf einer oder aller der oben erwähnten Seiten steht der Satz
"Wir versichern Ihnen, dass Ihre Daten von Dritten nicht weiterverwendet werden"
Das können Sie gar nicht! Sie können Dritte zwar dazu verpflichten – ob die das dann tun, ist eine ganz andere Sache.
Wenn sich alle SBB, der VöV und die am SwissPass jetzt und in Zukunft angeschlossenen Partner verpflichten würden, die folgenden Einschränkungen einzuhalten und in den AGB festzuschreiben, würde ich meine Entscheidung revidieren:

•  Keine Rückverfolgbarkeit meiner Bewegungen
•  Keine Weitergabe der Daten an Dritte, in keiner Art und Weise
•  Keine Weitergabe der persönlichen Daten an Dritte.
•  Keine automatische Verlängerung

Wenn ich dann auf das Auto umsteige, spielt es auch keine Rolle mehr, dass die beiden "Partner" SchweizMobil und Mobility zwar grossartig "APPs" propagieren – leider keine, die auf Windows Phone laufen.*)

Das wollte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Meyer, doch noch persönlich mitteilen.
Freundliche Grüsse


An den Direktor des VöV habe ich – in leicht abgeänderter Form – den Brief auch geschickt. Man schauen, was passiert. I keep you informed.

*) dazu habe ich mir auch Gedanken gemacht – mehr später. 

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Vielleicht wissen sie es nur nicht besser? von Rüedu Sommer ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.