Sonntag, 29. März 2015

Vielleicht wissen sie es nur nicht besser?

Man muss es ihnen also sagen oder schreiben. Ich habe geschrieben.
Zugegeben, Durchschnitt bin ich nicht, will ich auch nicht sein. Manchmal habe ich auch andere Vorstellungen als die Mehrheit. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) wollen viele mein Daten.
Neuestes Beispiel: SwissPass. Der Verband öffentlicher Verkehr und die SBB wollen das General- und das Halbtaxabonnement durch den SwissPass ersetzen.
Allgemeine Bedingungen (AGB) sind allerdings noch nicht erhältlich. Das Marketing-Blabla macht mich aber misstrauisch. Vielleicht kann mit einigem Druck noch auf die Gestaltung der AGB und des SwissPass Einfluss genommen werden.
Ich versuche es einmal mit einem Brief an Herrn Meyer, Chef der SBB. Hoffentlich machen das noch andere Gleichgesinnte. Deshalb hier der Inhalt meines Briefes.


Mein Generalabonnement und der SwissPass

Sehr geehrter Herr Meyer,
Ich habe mein vielleicht letztes GA verlängert. Das neue GA ist gültig bis 30. März 2016. Ich werde wohl weder ein GA noch ein HT-Abonnement kaufen. Der Grund dafür ist einfach: ICH entscheide, wem ich meine Daten gebe – nicht Andere. Zudem habe ich bereits einen Schweizer Pass.
Ich werde mich halt wieder auf die Strasse konzentrieren. 
Meine Entscheidung beruht auf den öffentlich erhältlichen Angaben auf der SBB-Webseite, auf swisspass.ch oder dem VöV. Trotz meinen Nachfragen bei der SBB habe ich leider keine Allgemeine Bedingungen (AGB) gefunden. Die vorhandenen Informationen machen mich auf Schlimmes gefasst.
Die eingesetzte Technologie ist nicht unbedingt die Neueste. Sie ist auch nicht wirklich sicher. Reisende und das Zugspersonal werden bei Kontrollen länger beanspruch.
Es werden Daten über mein Verhalten gesammelt (wann reise ich in welcher Klasse wohin). Diese Daten werten Sie zu Marktforschungszwecken anonymisiert aus, was mir gar nicht passt.
Ich habe auch Mühe damit, dass ich gezwungen werden soll, den SwissPass zu benützen und damit das GA automatisch verlängert wird. Das will ich nicht.
Irgendwo auf einer oder aller der oben erwähnten Seiten steht der Satz
"Wir versichern Ihnen, dass Ihre Daten von Dritten nicht weiterverwendet werden"
Das können Sie gar nicht! Sie können Dritte zwar dazu verpflichten – ob die das dann tun, ist eine ganz andere Sache.
Wenn sich alle SBB, der VöV und die am SwissPass jetzt und in Zukunft angeschlossenen Partner verpflichten würden, die folgenden Einschränkungen einzuhalten und in den AGB festzuschreiben, würde ich meine Entscheidung revidieren:

•  Keine Rückverfolgbarkeit meiner Bewegungen
•  Keine Weitergabe der Daten an Dritte, in keiner Art und Weise
•  Keine Weitergabe der persönlichen Daten an Dritte.
•  Keine automatische Verlängerung

Wenn ich dann auf das Auto umsteige, spielt es auch keine Rolle mehr, dass die beiden "Partner" SchweizMobil und Mobility zwar grossartig "APPs" propagieren – leider keine, die auf Windows Phone laufen.*)

Das wollte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Meyer, doch noch persönlich mitteilen.
Freundliche Grüsse


An den Direktor des VöV habe ich – in leicht abgeänderter Form – den Brief auch geschickt. Man schauen, was passiert. I keep you informed.

*) dazu habe ich mir auch Gedanken gemacht – mehr später. 

Creative Commons Lizenzvertrag
Vielleicht wissen sie es nur nicht besser? von Rüedu Sommer ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Kommentare:

  1. Das sind die mir vorliegenden Informationen, u.a. aus den Twitter-Diskussionen der letzten Wochen:

    Die Daten der GA und HTA Kunden werden seit über zwanzig Jahren in einer zentralen Datenbank des Direkten Verkehr des öV Schweiz gespeichert. Daran ändert das neue Trägermedium SwissPass nicht das Geringste. Wenn man ein solches Abo kauft, geht man eine Geschäftsbeziehung mit allen am DV angeschlossenen konzessionierten Transportunternehmen ein. Das ist durchaus sinnvoll, damit man zB. ein verlorenes GA, das bei der RhB gekauft wurde, auch an einem Schalter der SBB oder BLS melden kann.

    Die anonyme Auswertung, wieviele von welchem Abo-Typ in welchem Zug sitzen wird bereits heute erhoben. Diese Auswertung ist notwendig, damit die Transportunternehmen den Verteilschlüssel für die Einnahmen untereinander aushandeln können.

    Ein weitergehendes oder gar persönliches Bewegungsprofil wird nicht erhoben. Die Daten aus dem Kontrollvorgang werden nicht zu Marketingzwecken ausgewertet.

    Die automatische Verlängerung ist eine von der Mehrheit der Kunden nachgefragte Komfort Dienstleistung. Das Künden des Abos ist sehr niederschwellig möglich und verlangt vom Kunden weniger Aufwand als das jährliche Erneuern.

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  2. Projekthandwerk: die ersten drei Feststellungen betreffen den Ist-Zustand. Den Verträgen zu den Abonnenten liegen AGB, Tarife usw. zugrunde. Die Auswertung in den Zügen erfolgt regelmässig durch Umfragen in den Zügen.
    Für den SwissPass liegen, wie ich geschrieben habe, der Öffentlichkeit leider noch keine AGB oder andere Vertragsbedingungen vor..Es ist mir deshalb nicht bekannt, auf was ich mich einlasse.

    Gerade deswegen ist es für mich so wichtig. Andere mögen das anders sehen. Da steht z.B. bei http://tinyurl.com/ndblxf3 unter dem Reiter "Datenschutz" u. A. "Ohne Ihren ausdrücklichen Einwand verwenden wir die ausgewerteten Daten unter Einhaltung des Schweizer Datenschutzgesetzes auch für Marketingzwecke.".

    Eigentlich bin ich der Werbung gegenüber freundlich eingestellt. Wie haben auch keinen Kleber am Briefkasten. Ich kann auch Nein sagen, wenn mir etwas nicht passt. Zuvor versuche ich aber, so Einfluss zu nehmen, dass es für m ich zum Passen kommt. Ob das beim SwissPass auch so sein wird, wird sich herausstellen.
    Denn wenn es so ist, wie Sie schreiben, kann das ja ohne Probleme auch in den AGB erwähnt werden.

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