Mittwoch, 20. Januar 2016

Wo bleiben denn da die Künstler?

In der Schweiz soll das Urheberrecht überarbeitet werden. Ich finde auch, dass es schon lange Zeit ist.
Leider läuft die Anpassung nicht so, wie ich es mir wünschen würde.
Es wird jetzt nicht mehr von Musikern, Textern und Komponisten gesprochen, sondern von „Rechteinhabern“. Rechtlich mag das ja vielleicht der Klarheit wegen richtig sein. Aber „Rechteinhaber“ mit Künstlern gleichzusetzen ist in den allermeisten Fällen nicht richtig.
Ich habe mich über die sogenannten „Rechteinhaber“ schon früher ausgelassen.
Negativ für mich als Konsument ist besonders der Einfluss der Unterhaltungsfirmen, vorab derjenigen aus den USA. Die bezeichnen sich vornehm als „Rechteinhaber“, weil sie den Textern, Komponisten und Musikern deren „geistiges Eigentum“ abgeluchst haben.

Die Beatles waren da intelligenter. Die haben im April 1968 ihr eigenes Plattenlabel gegründet. Weshalb das so war (und immer noch ist), hat John Lennon bei einer Pressekonferenz klar gemacht:

“We want to setup a system whereby people who just want to make a film about anything don't have to go on their knees in somebody's office (probably yours).”

Ich höre oft Internetradio und habe auch eine Radiostation mit kleineren Geldbeträgen unterstützt. Dafür war die werbefrei – und hat erst noch Musikwünsche erfüllt. Und Tantiemen an die „Rechteinhaber“ bezahlt.
Eine dieser Stationen hat mir im letzten Dezember ein E-Mail geschickt, das mich betrübt hat:
Dear Live365 Listener,
For 17 years, Live365 has offered small webcasters the opportunity to stream music and talk programming, providing an alternative distribution channel for diverse, quality content on the Internet in a legally responsible way.

Recently, the Copyright Royalty Board, the governing entity for establishing the sound recording royalty rates that are paid to copyright holders, has published the new rates for 2016-20. The previous provisions for small webcasters to opt for a percentage of revenue model were not renewed.

The current provisions end at the end of 2015. The absence of this license will make legally streaming copyrighted musical content prohibitively expensive for many small to mid-sized Internet broadcasters. Live365 relies on this license for many of their broadcast partners and, as such, has hard decisions to make regarding their future in the streaming industry.

Aus dem gleichen Grund wurde ich zum zweiten Mal enttäuscht. Ich dachte schon, die App (ja, es gibt sie - oh Wunder – auch für Windows Phone!) auf meinem Mobiltelefon sei defekt. Leider war da etwas anderes Schuld.  Auf der Homepage dieser Country Station stand da u.a.:

With the recent negotiations of the Copyright Royalty Board, difficult contractual terms and the result that our monthly expenses would be higher than expected, we are sad to say that the only logical course of action is to close the station.

Hier ist also auch „Ende der Durchsage“. Keine Chance mehr für Musiker, gehört zu werden.  Beide Stationen haben Lizenzen bezahlt.

Der wirkliche Wert dieser und ähnlicher Radiostationen liegt in der Vielfalt der Inhalte. Es ist ein Zufluchtsort, wo man Musik hören kann, die nicht immer dem „mainstream“ beizuordnen ist.

Die „Rechteinhaber“ wollen mehr Geld. Dagegen wäre eigentlich nichts einzuwenden, wenn auch ein erhöhter Gegenwert vorhanden wäre.




Dem ist aber nicht so. Wieder ist es eine U.S. amerikanische Regierungsbehörde, das Copyright Royalty Board, welche unter dem Deckmantel des Urheberrechts die Lizenzabgaben so festsetzt, dass nur grosse Organisationen profitieren.

Nicht wirklich überraschend. Was dahinter steckt, schreibt der Radio Survivor.

Zumindest diese zwei Sender vermitteln keine Musik mehr. Damit ist meine indirekte Unterstützung der Musiker auch futsch.

Zum Glück gibt es noch andere Möglichkeiten, Musikern dafür zu danken, dass sie mir Freude bereiten. Der Besuch eines Konzertes ist eine Möglichkeit. Ich bin ein regelmässiger Besucher im einzig wahren Musikrestaurant bei mir in der Nähe.

Und den Beatles abgeguckt haben die Musiker der Bridge Pipers Jazz Band ihr Vorgehen. Die nehmen ihre Musik selber auf, produzieren die Grafiken selber, brennen die CDs und vertreiben sie auch ohne Verlag. Bravo! Deshalb gehe ich an deren Konzerte.

Die Musiker der Band FruitCAKE gehen noch weiter – die schreiben ihre Songs selber. Hoffentlich gibt es bald wieder ein Konzert.


Sicher gibt es noch viel mehr Möglichkeiten – im ganzen Land  - Konzerte zu besuchen, bei denen die Künstler mehr erhalten als beim Kauf  einer CD.

Creative Commons Lizenzvertrag
Wo bleiben denn da die Künstler? von Ruedi Sommer ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

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