Montag, 26. September 2016

Der Wahlkampf 2016 im Aargau

So, der Abstimmungssonntag ist vorüber – wie der Sommer. Die Rückständigen haben wieder mal die Mehrheit gestellt. Besonders bei der Abstimmung über das NDG ärgert mich die massive Zustimmung. Auch das hat Einfluss auf meinen Wahlzettel. Dazu später mehr. Das hat ja nun mit dem Wahlkampf im Aargau nicht viel zu tun. Ausser in meinem Fall. Ich stelle mir nämlich meine eigene Liste zusammen.
Das geht so:
1. Regierungsrat: ist mir eigentlich egal. Hauptsache keine Partei ist übermächtig.
2. Grosser Rat:
a) Bisherige: welche Personen haben die Abschaffung des Tanzverbotes hintertrieben?
b) Neue: welche Partei hat beim Tanzverbot die Nein- oder beim NDG die Ja-Parole herausgegeben?
c) Wenn dann noch Plätze übrig bleiben, schaue ich noch nach, welche Parteien für die Einführung des Quorums stimmten.

Warum denn wieder das Tanzverbot?
Das ist einfach. Während in der Kommission für Volkswirtschaft und Abgaben (VWA) mit 69 zu 57 Stimmen knapp war, war es dann im Grossen Rat eindeutig. Das namentliche Abstimmungsprotokoll ist öffentlich. Die Lage ist klar: die SVP, zusammen mit der CVP waren gegen die Abschaffung. Bei EVP und EDU war mir das von Anfang an klar. Die kommen nicht auf meine Liste (Pech für die neuen Kandidaten).

Der Regierungsrat und (wahrscheinlich) alle anderen Parteien wollten nicht, dass das Tanzverbot im Wahlkampf eine Rolle spielt. Deshalb hat die Regierung es zuerst mit einer Verschiebung der Abstimmung bis nach den Wahlen versucht. Das Initiativkomitee, zu dem auch ich gehörte, war damit aber nicht einverstanden. Die Begründung für die Verlängerung: Die Zeit war zu knapp, um einen Gegenvorschlag auszuarbeiten! Plötzlich wurde es dann hektisch im Regierungsgebäude. Der Abstimmungstermin wurde auf Februar 2016 angesetzt und weinerlich waren sich Regierung, EDU und EVP einig: Das böse Initiativkomitee hat sich geweigert, die Abstimmung zu verschieben! Das, nachdem die Regierung seinerzeit die vollständigen drei Monate gebraucht hatte, um die Motion der SP nicht anzunehmen.
Jetzt mache ich halt das Tanzverbot trotzdem zu meinem Wahlthema.

Und was hat jetzt das Gesetz über den Nachrichtendienst (NDG) mit der Wahl in den Grossen Rat zu tun?
Das ist wieder eine ganz einfache, persönliche Sache. Bei rund 35% der Bevölkerung, die bei der letzten Abstimmung am 25. September 2016 abgestimmt haben, ist das wohl auch so. Und so ist es für mich klar, dass Parteien, die beim NDG die Ja-Parole gefasst haben, meine Privatsphäre für nicht schützenswert betrachten. Und solche Parteien kann ich nicht wählen. Die SVP gehört dazu, die BDP auch. Die CVP, die FDP, die EDU, die EVP und die GLP haben alle die falsche Parole gefasst.
Meine Wahlliste wird ja wirklich kurz. Als Pirat bin ich natürlich weder links noch rechts, sondern vorne (der Spruch ist nicht von mir, ganz daneben ist er trotzdem nicht). Während ich zwischen den Ansichten der Grünen und meinen Gedanken nur wenige Unterschiede ausmache, stelle ich bei Vergleichen mit den Positionen der SP schon mehr Abweichungen fest.
Warten wir mal die Wahlunterlagen ab (die Beilagen zu den Wahllisten mit den freundlich lächelnden photogeshoppten Konterfeis sind jeweils eine teure Gabe an die Vereine, welche die Altpapiersammlungen durchführen).
Danach werde ich mir überlegen, ob ich noch die Abstimmungsliste zur Änderung des Grossratswahlgesetzes ansehen muss. Da wurde ja das sog. Quorum beschlossen. Nach dem Motto „kleine Parteien haben im Grossen Rat nichts zu suchen“.

Und jetzt, nach der Annahme des NDG werde ich mir ein neues Mobiltelefon kaufen. Das wollte ich eigentlich schon lange. Jetzt wird es eben ein HUAWEI. Es wird behauptet, dass da nicht die NSA, sondern der chinesische Geheimdienst alles absaugt. Das wird dann in der Volksrepublik ins kantonesische oder Mandarin übersetzt und so den „Partnerdiensten“ übergeben. So muss der NDB wenigstens noch 2 Sprachpakete installieren. Man muss es denen ja nicht unbedingt einfach machen.

Über die zusätzlich zu ergreifenden Massnahmen zum Schutz meiner Privatsphäre schreibe ich hier nichts.

Frohes Wählen

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Der Wahlkampf 2016 im Aargau von Ruedi Sommer ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Donnerstag, 22. September 2016

Der Restauranttester.

Zum Herbstanfang ein vollkommen unpolitisches Thema. Trotzdem muss die geneigte Leserschaft nicht befürchten, dass ich nun Ergüsse über mini Beiz oder dini Beiz oder Michelin-Sterne, Gaut-Millaut Punkte und dergleichen produzieren werde.
Eigentlich war es ganz einfach. Kompliziert wurde es erst später, als….aber fangen wir von vorne an.
Am letzten Sommertag kommt immer die grosse Feier. Meine ex-Freundin hat Geburtstag, dieses Jahr war es gar ein runder Feiertag. Dazu lädt sie ihre Freundinnen ein, natürlich auch dieses Jahr. Ich geniesse dafür jeweils den letzten Sommertag nicht zu Hause.
Heuer plante ich eine Fahrt auf Muottas-Muragl, verbunden mit einer Wanderung auf die Alp Languard. Die Wettervorhersage war leider nicht so gut für eine Wanderung. Ich entschloss mich also, endlich einmal per öV durch das Vallé de La Sagne zu fahren. Dort reiste ich als Schulbub mal hin – mit einem Pferdefuhrwerk von den Montagnes de Travers aus, zusammen mit meinen Brüdern.
Nach Les Ponts-de-Martel sollte es gehen. Mit der Bahn nach Le Locle und weiter mit dem Postauto. Dann Mittagessen und zurück per Bahn. Bei der Suche nach einem Restaurant in Les Ponts-de-Martel im WWW wurde ich dann aber total verunsichert:

Trotzdem habe ich mich für die Reise entschieden. Am Anfang ging ja alles bestens, mindestens die ersten 10 Minuten mit dem Bus. Der SBB ist der letzte Sommertag aber nicht gut bekommen. Wegen einer Entgleisung in Rupperswil war die Verspätung vorprogram-miert. Der knappe Anschluss in Biel/Bienne ziemlich sicher auch futsch – also ab Olten eine andere Instradierung ausarbeiten. Eine halbe Stunde später käme dort ja wieder ein ICN – in der Zwischenzeit sind beim Bahnhof Hardbrücke Schwierigkeiten aufgetaucht und ob der ICN dann auch dann kommt, wann er kommen sollte, ist ungewiss. Ich nehme den Bummler (heute „Regio“ genannt) durch das Solothurnische Gäu und dann weiter nach Biel/Bienne. Ab dort den ICN nach Neuchâtel und weiter mit dem Postauto. Das hat bestens geklappt. Das Restaurant war schnell gefunden.

So, und nun endlich meine „Bewertung“:


Der Anblick von aussen war nicht schlecht, wenn man nur den rechts liegenden Teil betrachtet (der linke Eingang ist mit „PUB“ beschriftet). Eine gewöhnliche Dorfbeiz im Neuenburger Jura.
Die Gaststube ist so, wie eine Gaststube in einer normalen Dorfbeiz im Neuenburger Jura eben ist. Besonders viel Charme strahlt sie nicht aus. Wenn alle Tische voll besetzt sind (und das waren sie zur Mittagszeit), ist die Akustik mehr laut als gut. Da ich ja nur für ein Mittagessen dort und ein längerer Aufenthalt nicht geplant war, gebe ich meinen absolut persönlichen Eindruck nur für diese Zeitspanne, also die Mittagspause hier wieder.
Die Bedienung war so, wie man es von zwei Damen bei vollbesetztem Restaurant zur Mittagszeit erwarten musste. Da gibt es nicht viel zu sagen, dafür zu warten. Zur Wahl standen drei Tagesmenüs – nach der „grossen Karte“ habe ich nicht gefragt. Die Menüs auf der Tafel beim Eingang bestanden aus Salat, Hauptgang und Dessert. Gesamtpreis CHF 12.80! Der „salade assorti“ hat mir ausgezeichnet geschmeckt – dabei bin ich kein grosser Salatesser. Das von mir gewählte Menü, Rindszunge an Kapernsauce mit Kartoffelstock, schmeckte gut (ich liebe Rindszunge, an einer Kapernsauce hatte ich sie schon lange nicht mehr). Die anderen Menüs waren Spaghetti à la maison oder Pizza Napolitano.
Auf das Dessert habe ich verzichtet, weil ich von der relativ grossen Portion des Hauptganges schon satt war. Das Dessert bestand aus einem Stück „Tarte de irgendetwas“. Bis jetzt war also alles mehr oder weniger normal.
Für den Kaffee habe ich mich dann auf die Terrasse an einen der Tische gesetzt, die mitgebrachte Flor De Nicaragua Reserva Limitada angezündet und einen Espresso bestellt.
Und jetzt kommt der Hammer!
Erstens war die Bedienung netter (die anderen Gäste waren fast alle gegangen, jetzt hatte die Zeit)
Und zweitens bringt mir die Dame den Espresso. Und was für ein Espresso! Moka Efti! Meine Lieblingsmarke! Für CHF 3.50!
Zum Glück kann ich die Zigarre über eine Stunde geniessen – und dazu noch ein, zwei Espressi Vielleicht waren es auch drei. Oder so.

Also meine Bewertung ist jetzt ganz klar. Ich gehe da wieder hin, Wegen der Schönheit des Vallés de La Sagne und wegen dem Moka Efti Espresso im Hirsche zu Les Ponts-de-Martel. Und so.
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