Freitag, 14. Juli 2017

Verfahrensbeschleunigung kontra Datenschutz




Ich habe zum dritten Mal das Aufgebot zur periodischen verkehrsmedizinischen Untersuchung erhalten. Dem Aufgebot beigelegt war diese Kurzinformation:

Bös ist diese Information nicht. Vielleicht sogar gut gemeint. Gut ist sie aber auch nicht.
Ich bin also sehr geehrt. Das macht mich stolz. Weiter unten bin ich dann sogar Kunde. Dazu später etwas.

Aber irgendwie eigenartig kommt mir diese Kurzinformation vor.

Als Absender im Briefkopf ist das Strassenverkehrsamt angegeben. Im Brief wird dann immer vom Strassenverkehrsamt geschrieben - wie meine Schwiegermutter (requiescat in pace) mit ihrer Mutter (requiescat in pace) sprach. In der dritten Person. Vor langer, langer Zeit war es üblich, dass Kinder die Eltern damit ehrten. Das ist nun aber wirklich schon lange her.

Ein einfaches "uns" und "wir" würde eigentlich genügen.

Gewaltigen Respekt vor den männlichen und weiblichen Bezeichnungen der Ärzteschaft (vielleicht auch gegenüber den Ärzten und Ärztinnen selber) hat die Behörde. So nach dem Motto "der Briefeschreiber oder die Briefeschreiberin" will niemand beleidigen mit einer falschen Anrede. Das ist ja irgendwie nachvollziehbar. Stelle Er (der Leser) oder Sie (die Leserin) sich diesen gewaltigen Aufschrei vor! Klar, dieses Thema wird noch viel und noch lange diskutiert werden. Meine Meinung dazu? Das gehört zu meiner Privatsphäre (ich gehöre dem männlichen Geschlecht an).

Man muss der Behörde aber eins lassen: für Abwechslung ist gesorgt. Wird im Betreff noch von "Formularzeugnis" geschrieben, wird daraus im Text ein "Zeugnisformular". Das Amt imitiert damit die Medien, die im Text etwas ganz anderes schreiben, als in der Schlagzeile behauptet wird. Gut, sie (die Behörde) muss noch etwas üben, hier hat sie ja nur die Begriffe vertauscht. Aber der Anfang ist gemacht.

Jetzt schreibe ich noch als Kunde. Da fühle ich mich doch etwas "auf die Schippe genommen". Der Link in seiner ganzen stolzen, sich über mehr als zwei Zeilen hinziehenden Länge ist eine Zumutung.

Ich gebe zu, er ist als Hilfe für die „aufgesuchten Ärztinnen“ beziehungsweise „den aufgesuchten Arzt“ gedacht. Ich glaube aber nicht, dass die sehr gut ausgebildeten Ärztinnen oder sehr gut ausgebildeten Ärzte diesen auf Totholz ausgedruckten Link einfach abtippen können, die "_" sind nur schwer auszumachen, weil der Briefeschreiber oder die Briefeschreiberin es nicht als nötig befunden hat, die automatische Formatierung (unterstrichen) rückgängig zu machen. Das soll gefälligst der Kunde tun, wenn das ihn überhaupt etwas angeht, was es ja gar nicht tut.
Immerhin steht das Strassenverkehrsamt gerne für allfällige Fragen zur Verfügung.

Das Amt muss mich aber nichts mehr fragen, sondern meine Frage beantworten, weshalb "datenschutzrechtliche Aspekte" durch den Einsatz von emedko besser gewährleistet werden können.

Auf dem Brief hat das Amt aber weder Strassenadresse, noch Telefonnummer noch E-Mail-Adresse angegeben. Kundenfreundlich ist das auch nicht.

Ich habe die E-Mail-Adresse dann doch noch gefunden und die Frage nach der "besseren Gewährleistung" gestellt. Das war aber erst gestern, also habe ich noch keine Antwort.


P.S. ich habe noch zwei Monate Zeit bis zur Untersuchung.

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